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Musik mit einem großen Ensemble auf die Bühne zu bringen, kostet Zeit, Geld und macht viel Arbeit – und sorgt auf Musiker*innen-Seite wie auch beim Publikum erstaunlich verlässlich für Glücksgefühle. Am letzten Abend des Jazzfest Bonn treten zwei Ensembles auf, die sich der Jazztradition auf sehr unterschiedliche Weise nähern: Das Kölner Fuchsthone Orchestra und das UMO Helsinki Jazz Orchestra.
Stephanie Grimm hat mit ihnen gesprochen – über Traditionen und Spielkulturen, über Menschliches und darüber, warum eine Bigband mehr ist als die Summe ihrer Teile. …“
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Maxi Broecking, Journalistin, Autorin und Kuratorin, die vor allem für ihre Expertise im Bereich Jazz und Improvisation bekannt ist, beschreibt die Musik so:
„Langsam entfaltet sich eine rhythmische Idee, konzeptuell, komplex. Sich aufbauend zu einem sich immer schneller drehenden Nukleus, aus dem sich Melodiebögen herausbilden und als geschichtete Texturen ineinander verlaufen. Weiträumig, sich verästelnd.
Dazwischen poetische Inseln der Langsamkeit und Räume für kunstvolle, verdichtete Improvisationen. Für virtuose sonische Erzählungen voller Dringlichkeit, mit elektronischen Samplings und Verfremdungen.
Wie die Field Recordings während der politischen Unruhen in Istanbul Anfang 2025 als Teil von Christina Fuchs´ Komposition „Taksim“ oder ihre Mikrofonierung von Steinen für „Lai Nairs“, benannt nach dem Schweizer Bergsee, wohin sie sich zum Komponieren zurückzog, in eine Natur- und Klanglandschaft im Unterengadin. Wie die verfremdete Gesangsstimme von Fillippa Gojo in dem revolutionären „Le Champ“ von Caroline Thon, basierend auf der Feldtheorie des Soziologen Pierre Bourdieu. Als Appell für Chancengleichheit in einer gesellschaftlich auseinanderdriftenden Zeit. Mit der knisternden Reibung elektronischer Klangstrukturen von Computermusikerin und Soundartist Eva Pöpplein, die sich mit den metallischen-melodischen Klangflächen des Vibrafons von Gastsolistin Evi Fillipou über die einsetzenden Bläser zu einem orchestralen Tutti des Aufbegehrens steigert.“
(Maxi Bröcking / Foto by Josef Fischnaller)
DON’T FORGET TO PAY YOUR BILLS
(comp./lyrics Christina Fuchs 10/2025)
LE CHAMP (comp./lyrics Caroline Thon 10/2025)
CAPRICORN & ARIES (comp. Christina Fuchs 10/2025)
SAVITA (comp./lyrics Caroline Thon 07/2025)
TAKSIM (comp. Christina Fuchs 8/2025)
RECIPROCITY (comp. Evi Filippou, arr. Caroline Thon 10/2025)
LAI NAIRS (comp. Christina Fuchs 10/2024)


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DON’T FORGET TO PAY YOUR BILLS
(comp./lyrics Christina Fuchs 10/2025)
Moritz Wesp: tb, Eva Pöpplein: elec
LE CHAMP (comp./lyrics Caroline Thon 10/2025)
Evi Filippou: vib, Eva Pöpplein: elec, Zuzana Leharová: vl, Matthias Schuller: tb
CAPRICORN & ARIES (comp. Christina Fuchs 10/2025)
Evi Filippou: vib, Zuzana Leharová: vl, Julian Drach: ss, Matthias Bergmann: flh
SAVITA (comp./lyrics Caroline Thon 07/2025)
Roger Hanschel: sso, Filippa Gojo: voc, Eva Pöpplein: elec, Kira Linn: bars
TAKSIM (comp. Christina Fuchs 8/2025)
Eva Pöpplein: elec, Evi Filippou: vib/perc, Laia Genc: p, Filippa Gojo: voc,
Zuzana Leharová: vl, John-Dennis Renken: tp, Jens Düppe: dr
RECIPROCITY (comp. Evi Filippou, arr. Caroline Thon 10/2025)
Evi Filippou: vib, Andreas Wahl: guit
LAI NAIRS (comp. Christina Fuchs 10/2024)
Evi Filippou: vib/perc/stones, Eva Pöpplein: elec, Jens Düppe: dr,
Alex Morsey: b, Veit Lange: ts, Lennard Stünkel: tb, Andreas Wahl: guit
„Peaks & Plots“, Fuchsthones neues Album, diesmal mit der griechischen Vibrafonistin und Perkussionistin Evi Fillipou als Gastsolistin des Orchesters.
„Peaks“, das sind die Höhepunkte, Ereignisse, Begegnungen und Erfahrungen des Jahres 2025, von den beiden Komponistinnen musikalisch umgesetzt in „Plots“, den Handlungssträngen und Erzählungen. Wie von „Savita“, komponiert von Caroline Thon und gewidmet der jungen deutschen Ukrainehelferin Savita Diana Wagner, die in ihrem berührenden Front-Blogtagebuch über den Krieg schrieb und während ihres Hilfseinsatzes getötet wurde. Wie in „Taksim“ von Christina Fuchs, mit Field Recordings aus Istanbul, den Gesängen der Muezzin und Stadtgeräuschen als Gesamtklangbild der Metropole. Entstanden auch in der Zeit politischer Unruhen, als sie sich während einer Künstlerinnenresidenz dort aufhielt. „Taksim“ ist der Name des zentralen Platzes, bedeutet jedoch auch darüber hinaus „musikalische Improvisation“.
Oder in der unruhigen, sich zur Revolte steigernden Komposition „Le Champ“ von Caroline Thon, basierend auf der Feldtheorie des Soziologen Pierre Bourdieu, als Appell für gerechtere Ressourcenverteilung. Einige Stellen, so Thon, hätten die aggressive Energie von Rockmusik, verbunden mit elektronischer Minimal Music, dem Element von Wort als Klang und den metallisch-melodischen Klangflächen des Vibrafons von Evi Fillipou. Beim Komponieren folge sie auch Bela Bartóks Kernmotiv-Theorie, durch fortlaufende Variation ein komplexes Musikwerk aus einer einzigen kompositorischen Zelle zu entwickeln.
Christina Fuchs beschreibt ihre kompositorische Praxis als Klangsuche und Erweiterung. Mit dem Rhythmus beginnend, entwickelt sie kompositorische Skizzen, die als Fragmente zu Klangcollagen werden. Zu Schichten, die sich wie Ereignisse ineinander und übereinander legen. „Jeder Akkord hat eine Vertikalität für mich“, erklärt sie.
Caroline Thon beginnt mit einer melodischen Idee, die sich zu einer Gesamtkomposition erweitert. Mit ineinander geschichteten Spannungsbögen. Immer auch mit dem Anspruch, mit gesellschaftspolitischen Themen auch künstlerisch Stellung zu beziehen und dazu ihr kompositorisches Spektrum kontinuierlich klanglich zu erweitern und zu vertiefen.
Fuchs und Thon arbeiten mit verdichteten rhythmischen und melodischen Texturen geklöppelter Klangstrukturen, Elektronik und Live-Sampling der Computermusikerin und Klangkünstlerin Eva Pöpplein, die sie mit Big-Band-Bläser-Sätzen, Violine und Gesang zu einem Gesamtkunstwerk werden lassen.
Genre-Grenzen erweiternd und aufhebend bilden sich Noise-Flächen, in die virtuose Bläsersätze eintauchen, aus denen sich Soli und improvisatorische Binnenflächen herauslösen, sich bis zum Flüstern verlangsamen, um dann wieder zu einer großformatigen Klanglandschaft zu werden. Zu einer Dynamik von Stille und der Energie ausbrechender, brachialer Tutti. Meisterhaft geleitet von den beiden Dirigentinnen, als klangliche Erzählung und Nachspüren von Form und Material, von Peaks & Plots.
(Pressetext)