FUCHSTHONE RELOADED#1 (2020)

FUCHSTHONE RELOADED#1 (2020)

FUCHSTHONE RELOADED#1 (2020)

PROGRAMM

Am 10. September 2020 startete das FUCHSTHONE ORCHESTRA unter dem Titel „FUCHSTHONE RELOADED#1″ seine regelmäßige Konzertreihe im „Europäischen Zentrum für Jazz und improvisierte Musik“, Stadtgarten/Köln.

Die Besetzung:

Caroline Thon, Christina Fuchs (composition, conduction, arrangement),
Roger Hanschel, Tobias Haug, Matthew Halpin, Benjamin Steil (saxes),
Christian Mehler, Marvin Frey, Matthias Knoop (trumpets),
Philipp Schittek, Matthias Schuller (trombones),
Wolf Schenk (basstrombone, tuba),
Zuzana Leharovà (violin),
Filippa Gojo (vocal),
Lars Duppler (piano),
Andreas Wahl (guitar),
Alex Morsey (bass),
Jens Düppe (drums),
Eva Pöpplein (electronics, live samples)

Durch die Corona bedingten Schließungen und Auflagen für Konzertveranstaltungen finden diese Programm-Konzerte erst knapp ein Jahr nach den gefeierten Premierenkonzerten statt. Diesen Zeitraum nutzen Christina Fuchs und Caroline Thon zum Schreiben neuer Kompositionen für das Orchester. Dabei vertiefen sie die Möglichkeiten eines „Solistenensembles“ weiter, als welches sich das FUCHSTHONE ORCHESTRA inzwischen begreift.

In allen Kompositionen wird den SolistInnen viel Freiraum zum Improvisieren eingeräumt, bis hin zu Kollektivimprovisationen in ausgesuchten Instrumenten-Kombinationen des Ensembles. Außerdem werden Kompositionen aus dem Premierenprogramm weitergeschrieben sowie Werke vorgestellt, deren kompositorischer Prozess bewusst noch nicht abgeschlossen wurde, um den Input durch die konzertante Aufführung wiederum in die weiter zu schreibende Komposition einfließenzulassen.

Eine besondere Herausforderung bei diesen Konzertterminen ist der durch die Hygienevorschriften einzuhaltende Mindestabstand der MusikerInnen zusätzlich zu den Trennwänden, die das gegenseitige Hören extrem erschweren. Infolge der größeren Abstände muss, wiederum aus Platzgründen, die Besetzung reduziert werden. Ein zusätzliches Re-Arrangieren der Kompositionen wird damit notwendig.

Folgende Stücke stehen auf dem Programm:

1) THERE
(Komposition: Caroline Thon)

Ein Stück über das „Ankommen“, sowohl im Sinne von „nach Hause kommen“ als auch „bei sich selbst ankommen“.

Ein Zitat aus Pierre Boulez‘ „Leitlinien“ beschreibt, was es zu bewältigen gilt wenn ungewöhnliche Klänge in herkömmliche Klangstrukturen eingebettet werden wollen:

„Der Einfluß von Außenvektoren vollzieht sich auf zweierlei Art: indirekt, wenn der Beitrag von außen nicht dazu bestimmt ist, sich dem Werk real einzugliedern; direkt, wenn man absichtsvoll ein anderes Ausdrucksmittel, das autonom zu sein vermag, mit der Musik verschmelzen will.“

Es geht also um gleichberechtigte, nebeneinder bestehende aber artfremde Klangereignisse oder um deren Verschmelzung

2) NAISSER SEEMS TO BE …
(Komposition: Caroline Thon)

Ein Wortspiel mit dem englischen Begriff „to be nice“; die Umschrift bezieht sich auf den Ort „Nairs“ im Unterengadin, wo die Komposition während eines Stipendienaufenthaltes entstanden ist.

3) ICELAND II – DOOMSDAY – CORONAKOLLER
(Komposition: Christina Fuchs)

Eine aktualisierte und rearrangierte Version von ICELAND und mit den Teilen DOOMSDAY- CORONAKOLLER fortgeschrieben. Es ist eine Abbildung des Status quo im Jahr 2020:
Die Gletscher schmelzen weiter ab, schneller als je zuvor, doch die Klimaproblematik ist in den Hintergrund geraten, die Politik reagiert zu langsam, wirtschaftliche Interessen behalten letztlich global die Oberhand.

Christina Fuchs:

„Deshalb habe ich in ICELAND II dem Grundtenor eine andere Dringlichkeit gegeben, es verdichtet, die Tempi schneller- und den Grundton der Sounds aggressiver gemacht.“

„This is an emergency!“ ist das Ganze überschrieben, eine Alarmbereitschaft soll entstehen und sich übertragen.

4) KHO BA
(Komposition: Caroline Thon)

„Kho Ba“ (korrekt geschrieben Khor Ba) ist der tibetische Begriff für „Samsara“. In dieser Komposition geht es um Vergänglichkeit und den immerwährenden Kreislauf von Geburt, Alter, Krankheit und Tod.
Im weiteren Sinne ist es auch eine Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Situation bedingt durch die Pandemie.

5) SYRINX
(Komposition: Christina Fuchs)

Christina Fuchs:

„Diese Komposition ist im Corona-Lockdown-Frühling von 2020 bei meinen regelmäßigen Spaziergängen im Wald entstanden. Dabei habe ich die Vögel an bestimmten Orten immer wieder gehört und sozusagen „besucht“.
Der Gesang variiert erstaunlich, auch Vögel haben eine Tagesform und die Vielfalt der Gesänge ist riesig: manche Vögel haben scheinbar unendliche Variationen im Repertoire, mache können immer nur eine bestimmte Abfolge wiederholen, mache „quatschen“ ohne Pause, andere sind sparsamer.“

Allen gemeinsam ist die Syrinx, der Stimmapparat, der für den Gesang verantwortlich ist. Nicht grösser als eine Linse, zusammengesetzt aus einem Dutzend Knochenringen sowie zwei Dutzend Muskeln. Die Stimmlippen können sich bis zu 200-mal pro Sekunde zusammenziehen, stimmliche Präzisionsarbeit.

Menschliche Stimmapparate können da kaum mithalten, deshalb sind die Vogelstimmentranskriptionen auch nur vage Annäherungen. Einzelne Vogel-, bzw Instrumentalstimmen werden in einen harmonischen und rhythmischen Kontext gebracht, die aber letztlich Vorlage für Improvisationen sind.

F.E. Beddard (1858-1925), Syrinx Bucerotidae, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
Photo: F.E. Beddard (1858-1925), Syrinx Bucerotidae, als gemeinfrei gekennzeichnet,
Details auf Wikimedia Commons
6) MAMOIADA
(Komposition: Christina Fuchs)

Mamoiada ist ein Ort in der Provinz Nuoro auf Sardinien. Von dort stammt der traditionelle Volkstanz „Passu Torrau“. Aus derselben Gegend stammt auch eine A-capella-Gesangstradition, die aus vier Tenören besteht.

Das Stück ist von der Version „Passu Torrau“ des Quartetts „Tenore Gòine de Núgoro“ inspiriert.

2016 hat Christina Fuchs dort den 1. Preis beim Internationalen Kompositionswettbewerb „Scrivere in Jazz“ für Jazzorchestra gewonnen und ist auf diese Weise in Kontakt mit der Region gekommen.

FUCHSTHONE ORCHESTRA RELOADED#1

Mit der Konzertreihe RELOADED# verfolgt das FUCHSTHONE ORCHESTRA in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für Jazz und Aktuelle Musik / Stadtgarten Köln die konsequente Weiterbearbeitung ihrer Kompositionen in direktem Austausch mit dem Orchester.

Pressestimmen:

„Endlich aufwachen und wieder spielen: Das Fuchsthone-Orchestra ließ in Düsseldorf und Dinslaken die Corona-Zwangspause hinter sich … Die nachgeholten Auftritte fühlten sich wie das Aufwachen aus einem bösen Traum an. Das befreite Spiel dieses Kollektivs aus Musikerinnen und Musikern unter der Doppel-Leitung von Caroline Thon und Christina Fuchs war wieder hör- und fühlbare Realität geworden.“

Stefan Pieper

www.jazzzeitung.de

„Landschaftsbilder entstanden beim Konzert in Dinslaken….“

Bettina Schack

Neue Ruhr Zeitung

„Christina Fuchs und Caroline Thon eröffneten in der Aula des Gustav-Heinemann-Schulzentrums die neue Jazz-Saison in Dinslaken…“

Rheinische Post Online

RP Online

„Der Kreis des Lebens schließt sich … Sich mit so vielen Instrumenten und Klangfarben auf starke Ideen zu fokussieren und nie in Labyrinthe abzudriften, das ist das Kapital des Fuchsthone-Orchestras, dessen Potenziale von Christina Fuchs und Caroline Thon in verblüffend stringente Richtungen gelenkt werden. So geht bildhaftes „Musik-Theater“!“

Stefan Pieper

nrwjazz.net

FUCHSTHONE Premiere (2019)

FUCHSTHONE Premiere (2019)

FUCHSTHONE Premiere (2019)

PROGRAMM

Im November 2019 ist es nach langer Vorbereitungszeit endlich soweit: Das FUCHSTHONE ORCHESTRA feiert mit einer Tour von vier Konzerten Premiere!

Die Besetzung am 19.11. 2019 im Stadtgarten:

Caroline Thon, Christina Fuchs (composition, conduction, arrangement),
Roger Hanschel, Theresia Philipp, Matthew Halpin, Jens Böckamp, Susanne Weidinger (saxophone, clarinets, flutes),
Christian Mehler, John-Denis Renken, Matthias Bergmann, Matthias Knoop, Heidi Bayer, (trumpets),
Philipp Schittek, Matthias Schuller, Matthias Muche (trombones),
Wolf Schenk (basstrombone, tuba),
Zuzana Leharovà (violin),
Filippa Gojo (voice),
Laia Genc (piano),
Andreas Wahl (guitar),
Alex Morsey (bass),
Jens Düppe (drums),
Eva Pöpplein (electronics, live samples)

Schon in diesem allerersten Programm haben Caroline Thon und Christina Fuchs neue Werke mit Elektronik für diese Besetzung geschrieben und gleichzeitig bestehende Kompositionen weiterentwickelt. Die Konzerte sind ein grandioser Erfolg beim Publikum und der Presse. Grund genug, dieses Großprojekt weiterzuführen.

 Folgende Stücke stehen auf dem Programm:

1) 1. SUITE High Fidelity of Materialism – what about the Nature?
(Komposition: Caroline Thon)

Part I Ouvertüre
Part II The Beauty
Part III Materialism/The Black Swan
Part IV Reprise „Tsueltrim“

Eine 4-teilige Suite „High Fidelity of Materialism“

Die OVERTÜRE stellt die Hauptmotive vor.
Der 2.Satz THE BEAUTY ist eine Ode an die Natur und beschreibt das staunende Entzücken, zum Beispiel einen plätschernden Bach im Sonnenlicht erleben zu dürfen. Dazu erklingen Zitate des lateinischen Dichters Lucretius, die dessen Eternalismus aber in Frage stellen sollen. Im Gegensatz dazu erklingt die Melodie einer Langlebenspraxis aus dem tibetischen Buddhismus, in der es um die Ausgewogenheit der fünf Elemente Wasser, Feuer, Erde, Luft und Eisen (Raum) geht.

In der Transmission zum 3.Satz MATERIALISM mit Adaptionen aus der Techno-Musik wird die Bedrohung jeglichen Lebens durch die Kälte unserer materialistisch geprägten Welt beschrieben. Der Techno mündet in martialisch anmutende Klänge, die an Krieg erinnern sollen.

In der klassischen REPRISE als Schlußsatz wird nach dem Ausklingen der im 3.Satz vertonten Zerstörung musikalisch an das Mitgefühl appelliert. Das dies nicht immer ganz einfach ist, zeigt sich unter anderem in der Verwendung des sich ständig verschiebenes 7/4-Taktes in Form eines Canons. Am Ende kommt noch einmal Lucretius mit einem berühmten Zitat zu Wort, das Ansinnen hier ist aber die Grundaussage des Eternalismus, das aus Nichts nichts wird, selbst nicht durch Willen der Götter zu verneinen.

Video: „The Beauty“ Part II (16:51)

Caroline Thon:

„Ein großer Traum war die Verwirklichung meiner 4-teiligen Suite HIGH FIDELITY OF MATERIALISM, die durch politische Aktionen und meiner Mitarbeit an Hörspielproduktionen geprägt ist.“

2) ICELAND
(Komposition: Christina Fuchs)

Bearbeitung des aktuellen Themas Klimakrise, das Abschmelzen der Gletscher in Island, insbesondere der in 2019 abgestorbene Gletscher Oksjökull.

Gleichzeitig eine Hommage an Greta Thunberg und ihre mutige Rede vor dem europäischen Parlament am 16.4.2019.

Christina Fuchs:

„Es ist mir wichtig, hör- und fühlbar zu machen, was geschieht z.B. wie das Eis schmilzt, die Dramatik der Vorgänge in Musik umzusetzen.“

Okjoekull Gedenktafel

Photo by C.Fuchs

3) IS IT YOU?
(Komposition: Caroline Thon)

Inspiriert durch die Komposition „The Unanswered Question“ von Charles Ives (1874-1954) thematisiert diese Komposition die Frage, wie es dazu kommt, dass zwei Menschen sich gegenseitig erkennen und „Ja“ zueinander sagen. Vergeblich geschriebene Liebesbriefe werden hier als eigene Klangquellen entdeckt.

Charles Edward Ives 1913_part

Photo: Anonym, CharlesEdwardIves1913 part, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

4) NEWTONS CRADLE
(Komposition: Christina Fuchs)

Fünf kleine Stahlkugeln hängen an einem Metallgestell, eine Zeitlang fehlte so ein Accessoire auf keinem Büroschreibtisch: das Kugelstoßpendel oder „Newton’s Cradle“ – einfach und genial zugleich.

Lässt man eine Kugel gegen die restlichen vier prallen, schwingt auf der anderen Seite eine Kugel hoch, nimmt man zwei, schwingen zwei nach oben: Das Newton’sche Gesetz zur Energieerhaltung, Ursache und Wirkung, Impuls und Energie

Christina Fuchs:

„… und diese physikalischen Gesetze wurden 2014 ganz real für mich: diese Komposition hat mir den WDR Jazzpreis beschert!“

5) POSCHTI
(Komposition: Christina Fuchs)

Eine Hommage an den Schweizer Postbus, liebevoll in schwyzerdütsch Poschti genannt. In den Bergen hupt der Busfahrer in jeder Serpentine als Warnung für den Gegenverkehr einen A-Dur Dreiklang!

 

Christina Fuchs:

„Ich konnte es kaum glauben und vor allem nicht der Versuchung widerstehen, daraus ein Stück zu schreiben.“

6) TEXTURES OF MEMORY
(Komposition: Christina Fuchs)
  • Wie funktioniert die neuronale Verschaltung im Gehirn, wie funktioniert Erinnerung bezogen auf musikalische Parameter?
  • Erkennt das Gehirn ein musikalisches Motiv in völlig anderer Gestalt wieder oder nicht?
  • Erkennt das Gehirn, dass das Stück nur aus einem kleinen Motiv und Akkord gebaut ist, nur in verschiedenen Formen und Gestalten?

Fragen, die Christina Fuchs in diesem Stück wie in einem Feldversuch anwendet.

Postauto Simplonpass
Photo: User Ancheta Wis on en.wikipedia, 1543, Andreas Vesalius‘ Fabrica, Base Of The Brain, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
7) KRONOS
(Komposition: Christina Fuchs)

Christina Fuchs:

„Das Thema „Zeit“ fasziniert mich schon länger. Hier wird es hörbar durch die Sounds von Kirchenglocken, das Ticken einer Uhr, die das Timing dieser Komposition vorgeben.“

Mediaecho:

„Bei aller Komplexität des großorchestralen Geschehens bleibt es doch immer noch Jazz, wie er sich nicht zuletzt in improvisierten Soli authentisch ausdrückt. Diese Chance für eigene Soli mag dazu beitragen, dass im Orchester eine überaus kollegiale Atmosphäre gegenseitiger Wahrnehmung und Achtung vorherrscht…“
Dietrich Schlegel

www.jazzzeitung.de

„Kaum zuvor war die stilistische Bandbreite variantenreicher, das Klangspektrum vielfältiger, vitaler und experimentierfreudiger.
Nun präsentiert sich das Fuchsthone Orchestra als neues, musikalisch ausgedehntes Sternbild am Big-Band-Firmament. Dafür haben die Komponistinnen, Arrangeurinnen und Musikerinnen Christina Fuchs und Caroline Thon ihren Klangkörper sensationell gut besetzt…“
Horst Peter Koll

Kölner Stadtanzeiger

„Zwei gestandene Saxophonistinnen und Komponistinnen mit langjährigen Erfahrungen in der Leitung von großen Klangkörpern, bilden nun eine weibliche Doppelspitze. Durchaus ein gutes Zeichen. Das Ensemble besteht aus 22 vielfach ausgezeichneten MusikerInnen. Es gehören auch für eine klassische Big Band ungewöhnliche Instrumente, wie Geige und Elektronik, dazu….“

Uwe Bräutigam

www.nrwjazz.net

„Überraschend frisch sind ihre Ideen für ein neues, gemeinsames Ensemble, das mit Elektronik als tragendem Element weit über die Begriffe Big Band und zeitgenössischen Jazz hinaus geht….“
Kölner Jazz Konferenz e.V.

www.jazzstadt.de

„Christina Fuchs und Caroline Thone haben ihre Kräfte gebündelt und das FUCHSTHONE ORCHESTRA gegründet…“

Thomas Mau im Interview mit den beiden Gründerinnen

WDR3 - Jazz & World